Jun

09

Beziehungen und Fokus

halbe Sonnenblume

Ein Problem vieler Paare ist die falsche Anspruchshaltung. Wenn man den Anspruch hat, dass man immer 100% mit der Aufmerksamkeit beim Partner ist, kommt es zwangsläufig irgendwann zu einer Kollision. Denn, wenn genug Aufmerksamkeit geflossen ist und die „Tanks“ voll sind und das Gebiet der Partnerschaft in einem selbst abgedeckt ist, wenn also der Zustand gesättigt ist, ist es eine natürliche Reaktion, den eigenen Fokus wegzulenken auf etwas anderes, auf die Arbeit, auf ein Projekt, auf irgendwas anderes eben. Das ist völlig normal. Dummerweise ist es in Beziehungen aber so, dass dieses Weglenken missverstanden wird als Abwenden vom Partner, was dann persönlich genommen wird. Der Partner fühlt sich dann persönlich verletzt und im Ernstfall wird die Qualität der Beziehung in Frage gestellt. Das ist das Problem. Man muss es also hinbekommen, dass es normal ist, dass man seinen Fokus auf andere Sachen lenkt, denn wenn im Außen die Felder wiederum gesättigt sind, lenkt man den Fokus automatisch wieder auf seinen Partner. Das ist die ganz normale Drift. Es muss ein organisches Hin- und Herlenken zwischen Partner und Außenwelt sein, ohne dass es von beiden missverstanden wird als persönliches Abwenden. Das ist eine Haltungsfrage.

Es muss beides gehen. Man muss nah beieinander sein, miteinander leben und trotzdem seine Aufmerksamkeit auf andere Dinge richten können, ohne dass die Substanz der Beziehung oder gar der Partner selbst in Frage gestellt wird.

Wie macht man das? Wenn man zu weit draußen ist, also immer mit dem eigenen Fokus auf anderen Projekten, dann entwickelt sich die Beziehung irgendwann zu einer Arbeitsgemeinschaft. Das ist einer der größten Beziehungsfehler vieler Paare. Man arbeitet gemeinsam permanent an Projekten oder auch jeder an eigenen und verliert vollkommen den Menschen neben sich als Liebespartner aus den Augen. Er wird dann ein guter Freund, ein Kumpel. Das ist auch wichtig, aber der Mensch ist dann kein Liebespartner mehr. Und die Kunst liegt tatsächlich darin, den Menschen neben sich über all den anderen Positionen, die er einnehmen kann (Elternteil, bester Freund, Lehrer, Mitverdiener, usw.) eben NICHT als Liebespartner aus den Augen zu verlieren. Denn das war schließlich der Grund, warum man überhaupt eine Beziehung mit ihm einging, oder?

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