Dez

11

Verachtung und Würde

Mann und Frau an den Händen gefasst

Das große Problem vieler Partnerschaften ist die sich einschleichende, gegenseitige Verachtung.

Sie erwächst aus unerfüllten Bedürfnissen, aus kleinen, sich summierenden Enttäuschungen, aus fortgesetzten halb spaßig, halb ernst gemeinten Sticheleien und natürlich auch aus dem sich einschleichenden Alltag, der es nicht immer einfach macht, den Kontakt zu einander zu halten.

Hat sich die Verachtung allerdings einmal eingeschlichen, setzt sich eine oft unaufhaltsame Spirale in Gang. Die Unzufriedenheit mehrt sich, man richtet seine Aufmerksamkeit mehr und mehr auf die Dinge, die der Partner in den eigenen Augen nicht kann oder auf Eigenschaften, die stören. Nur leider folgt jeder Werdegang einer Sache immer der gerichteten Aufmerksamkeit.

Je mehr man sich an Ungereimtheiten festhält, um so mehr werden frei gesetzt, weil sich der Blickwinkel und innere Haltung ändert. Die Folge ist eine wachsende gegenseitige Verachtung, die sich auf entstandenen Verletzungen und unausgesprochenen Bedürfnissen aufbaut. Und Verachtung ist der Tod der Liebe.

Verachtung ist der Boden auf dem Streit, Verletzungen und Anschuldigungen ausgetragen werden.

Diese Verachtung hat einen großen Teil zum Geschlechterkrieg beigetragen.

Aber wie sollen wir einander lieben, nähren und im Wachstum befördern, wenn wir uns gegenseitig verachten?

Findest du keine Verachtung gegen das andere Geschlecht in dir?

Dann schau genauer hin! Es gibt kaum einen Menschen, der nicht von diesem schleichenden, unterbewussten Gift besetzt ist!

Sätze, die mit: „Die Männer sind immer… „oder „ Also, die Frauen mit ihren…“ beginnen, sind ganz oft genau solche Sätze!

Verachtung ist die Steigerung mangelnder Wertschätzung. Selbst wenn du keine Verachtung hegst, was begrüßenswert ist, wirst du doch mangelnde Wertschätzung finden.

Wir sollten uns erinnern, wer wir sind und wer der Mensch neben uns ist und was er uns bedeutet (hat). Verachtung löst man auf, indem man den Weg rückwärts geht. Beginne mit der Wertschätzung, mit kleinen Dingen. Und damit ist nicht unbedingt der üppige Blumenstrauß oder das überladene Sonntagsfrühstück gemeint. Oft liegt in einem nicht ausgesprochenen scherzigen Seitenhieb, in einer ausgesprochene Würdigung eines schönen Kleidungsstückes oder einem offenen Bekennen zu einem Moment des Vermissens viel größere Heilung, als in jeder große Geste.

Wir müssen einander wieder mehr echte Wertschätzung entgegen bringen!

Denn aus Wertschätzung erwächst innere Würde. Und die ist doch unantastbar oder nicht?

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