Empfehlung: Spiele der Erwachsenen

Eric Berne, amerikanischer Psychiater veröffentlichte 1964 sein Buch „Spiele der Erwachsenen“ und nahm damit profunden Einfluss auf die Sichtweise menschlicher Kommunikationsmuster. Er beobachtete und beschrieb sogenannte „Spiele“, die wir Erwachsenen miteinander spielen. Bei diesen Spielen handelt es sich um festgelegte Gesprächsabläufe mit verdeckten Motiven. Diese Motive dienen der Bestätigung der eigenen Weltsicht und Situation. Da sie automatisch und unbewusst gespielt werden, können sie sehr viel Leid verursachen. Eingefahrene Muster in Beziehungen, Gruppensituationen oder auch innerhalb der Familie können so über Jahre zu zermürbenden und auch „rätselhaften“ Dauerschleifen werden, die zu Spannungen, Trennungen oder Sinnkrisen führen.

Natürlich sind nicht alle der beschriebenen 36 Spiele  bierernst und von solch enormer Tragweite. Sie können es aber werden.
Ein allseits bekanntes Spiel ist z.B. „Sieh bloß, was du angerichtet hast“:

Zitat: “ In seiner klassischen Form ist dieses Spiel ein Ehespiel, und es beschwört meist einen „Mords-Ehekrach“ herauf; es kann aber auch zwischen Eltern und Kindern und am Arbeitspaltz gespielt werden.“

Beschreibung: Dieses Spiel wird von einem Menschen gespielt, der im Grunde überlastet ist und seine Ruhe haben möchte. Eine klassische Situation in der Familie ist der Vater, der eine Reparatur o.ä. ausführt und sich sehr konzentriert. Meist ist er schon knurrig und unter hörbarer Grummelei an diese Arbeit gegangen. Nun ist er in seine Arbeit vertieft. Im entscheidenden Moment der Reparatur kommt nun die Ehefrau oder das Kind und hat eine Frage oder stört in irgendeiner Form seine Ruhe. Und genau in diesem Moment fällt ihm der Pinsel aus der Hand, geht ein Sägeschnitt schief oder noch besser, schneidet er sich selbst in die Hand.
Nun hat er natürlich alles Recht der Welt, sich gehörig aufzuregen und Anklagen, bzw. Schuldzuweisungen loszulassen: „Sieh bloß, was du angerichtet hast!“

In der Analyse des Spiels ergibt sich folgender Sachverhalt: Im Grunde wollte der Vater nur seine Ruhe. Er ist wahrscheinlich müde und überlastet und empfindet die Reparatur als störendes Muss, dass es zu erledigen gilt. Er hätte dies auch formulieren können und damit seiner Familie die Chance geben können, sich auf seine Situation einzustellen. Dies hätte aber ein Eingeständnis von „Schwäche“ oder anderer, für ihn unangenehmer Gefühle bedeutet. Er wählte daher lieber dieses Psycho-Spiel, aus dem er als „Sieger“ hervorgeht und anderen die Schuld zuschieben kann. Er bestätigt sich selbst damit, dass er ein armer, überlasteter Tropf ist, der soviel tragen muss und zusätzlich noch umgeben von Dilettanten oder unerzogenen Kindern. (Die fehlerhafte Erziehung geht selbstverständlich zu Lasten seiner Frau, klar!)
Über die Jahre lässt ihn seine Familie dann immer öfter allein, weil alle dieses Spiel schon kennen und sich sofort aus dem Sichtfeld begeben, sobald er nur die Säge aus dem Keller holt. Er erreicht damit sein Ziel, also die gewünschte Ruhe. Aber zu welchem Preis?

Er ist mit sich selbst keinen Schritt weiter, weil sein Weltbild zementiert wird, die Kinder wachsen mit wiederholten Anklagen und Herabwürdigungen auf, entwickeln einen schlechten Selbstwert und übernehmen das Spiel in ihre eigenen Familien. Die Beziehung zur Ehefrau verflacht. Es gehen Nähe und ein liebvolles Miteinander verloren.
Im Grunde gehen aus diesem Spiel alle Beteiligten als Verlierer hervor. Da aber niemandem dieses Muster bekannt war und die Schleife damit nicht unterbrochen werden konnte, hält sich dieses Muster über Generationen in der Familie und wird bei Bedarf auch am Arbeitsplatz oder im Fußballverein gespielt.

 

„Spiel der Erwachsenen“ ist ein psychologisches Fachbuch, verfasst von einem Psychiater.
Es ist wissenschaftlich fundiert und ein Konzentrat der Erfahrung des Autors. Zugegebenermaßen gibt es deutlich leichtere Kost für Sonntagnachmittage.
Wenn man allerdings das allzu Fachliche ausblendet und sich nur auf die Beschreibung der Spiele konzentriert, ist dieses Buch ein Augenöffner.
Es verändert die Sicht auf Beziehungsprobleme, Familienkräche und Arbeitsplatzrangeleien.

Dieses Buch ist nicht umsonst seit seinem Erscheinen ein Klassiker. Und es ist so aktuell, wie am ersten Tag.

Eine Leseprobe findest du hier.

Viel Spaß beim Lesen!